Radikale Qualität & Familienhandwerk
Wenn sich im Westen El Salvadors Morgendunst über die Hügel der Apaneca-Ilamatepec-Kordillere legt, beginnt auf den Farmen der Familie Guillen ein neuer Tag zwischen Vulkanerde, Schattenbäumen und fermentierenden Kaffeekirschen.
La Dalia und San Antonio sind nicht nur Farmen – sie sind lebendige Kapitel einer Kaffeegeschichte, die seit Generationen geschrieben wird.

Familie Guillen
Die Finca La Dalia liegt im Westen El Salvadors im Apaneca-Gebirge, nahe der Grenze zu Guatemala und nur rund 40 bis 50 Minuten vom Pazifik entfernt. Die Region zählt zu den renommiertesten Anbaugebieten des Landes und ist geprägt von stark wechselnden klimatischen Bedingungen: In den Höhenlagen treffen sonnige, warme Tage auf deutlich kühlere Nächte, während feuchte Luftmassen vom Meer die Luftfeuchtigkeit kurzfristig verändern können. Für den Kaffeeanbau bedeutet das einerseits eine tendenziell langsamere, aromatisch dichte Reifung, andererseits hohe Anforderungen an Ernteplanung, Trocknung und Prozesskontrolle, weil Wetterumschwünge sehr schnell Einfluss auf Fermentation und Trocknungsrate nehmen.
Bewirtschaftet wird La Dalia von der Familie Guillen, die bereits in fünfter Generation Kaffee anbaut. Zum Familienprojekt gehören insgesamt vier Farmen: San Antonio, La Dalia, El Mercurio und Santa Teresa. Zusammen produzieren die Guilléns jährlich etwa 900 Quintales Kaffee, das entspricht ungefähr 592 Säcken à 69 Kilogramm und damit etwas mehr als zwei Container pro Jahr.

anbau und ernte auf la dalia
La Dalia umfasst rund 16 Hektar und liegt je nach Parzelle auf etwa 1.250 bis 1.500 Metern Höhe. Ein wesentlicher Teil der Pacamara-Pflanzungen befindet sich auf ungefähr sieben Hektar in besonders steilen Hanglagen. Die Böden sind überwiegend lehmig, was Wasser gut speichern kann, in der Bewirtschaftung jedoch anspruchsvoll ist – insbesondere, weil die Verteilung von Wasser im Gelände herausfordernd ist. Auf der Farm gibt es Wasser aus einer Quelle, die Nutzung für Bewässerung und Versorgung einzelner Parzellen ist jedoch durch Topografie und Bodenstruktur nicht überall leicht umzusetzen. Diese Rahmenbedingungen prägen das Farmmanagement und machen eine präzise Planung von Pflege, Schattenmanagement und Erntefenstern besonders wichtig. Parzellen werden getrennt betrachtet, Ernten werden selektiv - und von Hand - gepflückt, und die Aufbereitung wird nicht als notwendiger Schritt nach der Ernte verstanden, sondern als zentraler Teil der Handschrift.

Schatten, Wildnis & Vulkanerde
Die Pacamara-Parzellen wachsen unter einem Schirm aus Schattenbäumen, darunter Zedern-, Mahagoni- und Pepeto-Bäume. Schattenbäume sind auf La Dalia ein zentraler Bestandteil des Anbausystems: Sie reduzieren direkte Sonneneinstrahlung, stabilisieren das Mikroklima und können zu einer gleichmäßigeren Reifung beitragen. Gerade bei Pacamara ist das relevant, da diese Varietät durch ihre sehr großen Kirschen und Bohnen eine andere Trocknungsdynamik aufweist als kleinere Bourbon-Typen. Große Kirschen und Bohnen reagieren sensibler auf ungleichmäßige Trocknung, weshalb bei Naturals besonders auf eine kontrollierte, gleichmäßige Wasserabgabe geachtet werden muss. Für die anschließende Aufbereitung ist die Homogenität des Reifegrades entscheidend, weil sowohl Natural- als auch anaerobe Prozesse stark davon profitieren, wenn die Kirschen ein ähnliches Zucker- und Säureprofil mitbringen. Die Guillens legen großen Wert auf sorgfältige Selektion bereits während der Ernte und ergänzende Sortierung nach dem Pflücken.
elbgold Kaffee von der Farm La Dalia









Varietäten & ihre Aufbereitung
Nach der Ernte werden die großen Pacamara-Kirschen zur Finca San Antonio transportiert, etwa anderthalb Stunden entfernt im Departamento Sonsonate. Seit 2016 betreibt die Familie Guillen eine eigene Micro-Mill auf San Antonio: 180 Trockenbetten, gezielte Honey- und Natural-Prozesse, seit 2018 auch anaerobe Fermentation – alles unter der Regie von José und seiner Familie. Auf San Antonio finden sich darüber hinaus kleine Mengen Geisha, sowie erste Reihen von SL-28, Tabi und Mocca – ein Zeichen, dass die Familie nicht nur Tradition bewahrt, sondern auch selektiv in die genetische Zukunft investiert.
Die Kirschen werden nach der Ernte auf Raised Beds getrocknet. Die Trocknung dauert typischerweise 24 bis 28 Tage und wird abhängig von Wetter und Luftfeuchtigkeit gesteuert. Raised Beds unterstützen eine gleichmäßigere Trocknung durch Luftzirkulation von unten und reduzieren das Risiko von unerwünschter mikrobieller Aktivität. Nach der Trocknung folgt häufig eine kurze Nachphase auf Patios, um den Feuchtigkeitsgehalt zu stabilisieren. Ziel ist ein Rohkaffee-Feuchtigkeitsgehalt von etwa 11 Prozent. Anschließend ruht der Kaffee im Lager, bevor er zur Drymill transportiert wird. Dort wird er erneut qualitätskontrolliert, geschält und sortiert. Diese Ruhe- und Stabilisationsphase nach der Trocknung ist wichtig, weil sie Feuchteunterschiede innerhalb des Lots ausgleichen kann und die Homogenität des Rohkaffees verbessert.

Processing – Fermentation mit Feingefühl
Der entscheidende Schritt folgte 2019: In Zusammenarbeit mit elbgold wurde ein temperaturkontrollierter Fermentationsraum gebaut. Der zentrale Vorteil ist die Möglichkeit, Fermentationen bei konstanten 21 Grad zu führen. Eine stille Revolution – denn wo früher Klima und Wetter den Ton angaben, herrscht heute Präzision und Stabilität.
Durch die kontrollierte Kühlung wird der Fermentationsprozess verlangsamt – das gibt den Mikroorganismen mehr Zeit, komplexe Zucker in feine Säuren umzuwandeln, ohne ins Gärige zu kippen. Gleichzeitig sinkt das Risiko von Fehlgärungen, weil sich schädliche Mikroben bei niedrigeren Temperaturen deutlich schwerer durchsetzen. Temperaturstabilität sorgt auch dafür, dass die Ergebnisse wiederholbar werden: Fermentation wird messbar, vergleichbar – und damit gezielt steuerbar. Die Guillens nutzen das, um ihre Lots noch präziser auszurichten: auf mehr Klarheit, mehr Struktur, mehr Tiefe. So entsteht ein neues Verständnis von Verarbeitung – eines, das zwischen Wissenschaft und Handwerk balanciert.

José Guillen
Im Zentrum der Arbeit steht heute José Guillen, der gemeinsam mit seinen Eltern Carlos und Sandra die Verantwortung für Anbau, Verarbeitung und Weiterentwicklung trägt. Die ältere Generation bringt Erfahrung und Stabilität ein, José ergänzt dies durch technische Weiterentwicklung, Weiterbildung und einen starken Fokus auf Fermentation und Prozesskontrolle. Die Zusammenarbeit innerhalb der Familie ist eng. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, Wissen wird weitergegeben und weiterentwickelt. Auch unsere Beziehung ist Teil dieses Austauschs. Wir waren mehrfach in El Salvador vor Ort, ebenso haben uns die Guillens in Hamburg besucht. Viele Entwicklungen sind aus diesen direkten Gesprächen entstanden und über Jahre gewachsen.

Pacamara Natural
Die Kaffees aus La Dalia sind so präzise wie ausdrucksstark. Der hier gezeigte Pacamara Natural, 24 Tage auf Raised Beds getrocknet, ist ein Paradebeispiel: Kakao, Toffee und Johannisbeere – vollmundig, süß, und doch mit Struktur. Die sensorische Exzellenz kommt nicht von ungefähr: klare Varietätenwahl, organischer Bodenaufbau, und ein tiefes Verständnis für Fermentation machen diese Kaffees so besonders.

Die Verbindung von Erfahrung und Qualitätsarbeit
La Dalia steht für die Verbindung aus anspruchsvollem Terroir und konsequenter Prozessführung. Die hochgelegenen, steilen Pacamara-Parzellen unter Schattenbäumen liefern Rohmaterial mit Tiefe und Struktur, das in der Natural-Aufbereitung besonders klar zur Geltung kommt. Gleichzeitig wird Processing bei der Familie Guillen nicht dem Wetter überlassen: Auf San Antonio sorgt temperaturkontrollierte Fermentation und eine zentrale, standardisierte Aufbereitung dafür, dass Ergebnisse wiederholbar werden und Microlots gezielt entwickelt werden können. So ergänzen sich La Dalia als agronomische Grundlage und San Antonio als Aufbereitungszentrum zu einem System, das generationsübergreifende Erfahrung mit moderner Qualitätsarbeit verbindet.



La Maravilla
In einer der entlegensten Kaffeeregionen Guatemalas wird eine Vision Wirklichkeit.
Araku
Im Araku Valley entsteht ein einzigartiger Kaffee, der Erde nicht ausbeutet, sondern aufbaut.
Fincas Mierisch
Die Mierischs stehen für konsequente, wissensgetriebene Qualitätsarbeit über drei Generationen hinweg.



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