Der Weg zu einer der begehrtesten Kaffeeregionen Mittelamerikas war eine kleine Odysee. Noch vor Sonnenaufgang begann die Reise in Antigua: eine einstündige Taxifahrt über kurvige Straßen zu einem alten Flugzeughangar am Flughafen Aurora in Guatemala-Stadt. Dort wartete eine kleine Propellermaschine mit zehn Passagieren – unser Ziel: die abgelegenen, wilden Berge von Huehuetenango.

Ich bin seit meiner Kindheit viel geflogen, doch selten hatte ich so viel Respekt vor einem Flug. In einem so kleinen Flugzeug spürt man jeden Windstoß unmittelbar. Unter uns lag das weite, zerklüftete Gebirge – zugleich majestätisch und bedrohlich, wie ein uralter Wächter über den Hochländern. Jeder Flügelschlag erinnerte daran, wie abgelegen und außergewöhnlich unser Ziel war.

Nach einer holprigen, aber sicheren Landung auf der einsamen Piste erwartete mich Luis, der mich die nächsten zweieinhalb Stunden über steile Bergstraßen zur Finca La Maravilla bringen würde – der Farm seines Vaters, Don Mauricio Rosales. Die Fahrt war ein Panorama aus Terrassenhängen voller Kaffeebäume, wilden Blumen und Rauchfahnen, die aus kleinen Berghütten aufstiegen.

Als wir ankamen, empfing mich Mauricio mit einem ruhigen, herzlichen Lächeln – und sofort war die Mühe der Anreise vergessen. Seine Farm liegt auf bis zu 2.000 Metern Höhe. Am Nachmittag machten wir uns auf den Weg zum höchsten Punkt. Die Luft war kühl und klar, durchzogen vom Duft frischer Erde und trocknender Kaffeebohnen. Von oben bot sich ein überwältigender Blick über die Hänge, auf denen sich einzelne Lots terrassenartig den Berg hinunterzogen – jedes mit eigenem Mikroklima, eigener Geschichte.

In den folgenden drei Tagen erlebte ich das Leben auf La Maravilla in seiner ganzen Intensität. Morgens, im ersten Licht, zogen die Pflücker:innen durch die Reihen, die Körbe füllten sich mit glänzend roten Kirschen. Mittags surrten die Maschinen – die Kirschen wurden entpulpt, gewaschen, sortiert. Jeder Handgriff saß, jeder Arbeitsschritt war Teil eines eingespielten Rhythmus, geprägt von Erfahrung, Präzision und Stolz.

Wenn die Sonne hinter den Bergen verschwand, wurde die Arbeit leiser. Der Hof verwandelte sich in einen Ort der Gemeinschaft. Frauen der Maya-Mam-Gemeinschaft, versammelten sich, um das Abendessen vorzubereiten. Mit einer elektrischen Maismühle mahlten sie frischen Mais für Tortillas – eine kleine Modernisierung, die ihre Arbeit erleichtert, ohne ihre Tradition zu verändern. Der Duft von geröstetem Mais mischte sich mit der kühlen Bergluft, Kinder lachten, Gespräche erfüllten den Hof. Es war ein einfacher, schöner Moment – ein Spiegelbild dessen, wie La Maravilla funktioniert: mit Respekt, Dankbarkeit und gegenseitiger Fürsorge.

Mauricios Geschichte ist eine der Zusammenarbeit. Seit vielen Jahren arbeitet er eng mit den Familien der Maya-Mam zusammen, deren Einsatz das Fundament seiner Farm bildet. Diese Beziehung geht weit über Arbeitsverhältnisse hinaus – sie ist eine Partnerschaft, gewachsen aus Vertrauen, gegenseitiger Unterstützung und gemeinsamem Erfolg. Viele der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind seit den Anfangstagen dabei, ihr Wissen wird von Generation zu Generation weitergegeben.

Diese Erfahrung spürt man in jeder Phase der Ernte. Die Pflücker:innen erkennen auf einen Blick, welche Kirschen die perfekte Reife haben. Im Nassbereich sorgen Timing und Präzision dafür, dass Fermentation und Trocknung fehlerfrei verlaufen. Dieses Zusammenspiel von Handwerk und Intuition ist das Geheimnis der Klarheit und Tiefe, die La Maravillas Kaffees auszeichnet.

Mauricio weiß, dass Qualität Menschen braucht. Sein Engagement für faire Arbeitsbedingungen und verlässliche Beschäftigung hat weit mehr geschaffen als ein Team – es hat eine Familie geformt. Diese langfristige Partnerschaft sichert Stabilität, bewahrt Wissen und hält die Kunst des Kaffeeanbaus lebendig, die Huehuetenango berühmt gemacht hat.

Oben auf dem Gipfel, auf 2.000 Metern, mit dem Tal unendlich weit unter uns, wurde mir klar: La Maravilla ist mehr als eine Kaffeefarm. Sie ist ein lebendiges Beispiel dafür, was entsteht, wenn Respekt für Mensch, Land und Tradition zusammentreffen. Der Kaffee von hier schmeckt nicht nur außergewöhnlich – er erzählt die Geschichte einer Gemeinschaft, die Jahr für Jahr gemeinsam wächst.

Für uns bei elbgold ist die Partnerschaft mit Don Mauricio und seinem Team das, was Kaffeehandel im besten Sinne ausmacht: Beziehungen, die über Jahre wachsen, getragen von Vertrauen und gemeinsamer Entwicklung. Jede Ernte, die wir teilen, bestätigt dieselbe Wahrheit – dass Qualität nicht zufällig entsteht, sondern aus Verbindung.

Durch diese Zusammenarbeit bringen wir nicht nur herausragenden Kaffee in die Welt, sondern helfen auch, die Menschen, die Kultur und das Erbe zu bewahren, die ihn möglich machen.
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