
KIAMWANGI
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KIAMWANGI - gute Strukturen, besserer Geschmack
Kiamwangi liegt in Nyeri auf rund 1.800 Metern Höhe. Eine Washing Station, getragen von vielen kleinen Betrieben, eingebettet in eine Region, die seit Jahrzehnten für strukturierte, klare Kaffees steht. Nyeri ist bekannt. Kiamwangi zeigt, warum. Wenn Varietäten, Processing und Organisation zusammenpassen, entsteht ein Kaffee mit eigener Handschrift – ruhig, präzise, verlässlich. Die dafür nötigen Strukturen wurden über Jahre aufgebaut. Die langjährige Zusammenarbeit mit Phyllis Nganga und Origin Connect Services bildet dabei das Fundament. Gemeinsam mit den Produzent:innen wird kontinuierlich an Ernte, Aufbereitung und Export gearbeitet. Entscheidungen entstehen vor Ort und wirken langfristig. So wurde Kiamwangi Teil unseres Portfolios – und dieser Kaffee das Ergebnis.
Herkunft – Gemeinsam statt gegeneinander
Kiamwangi ist Teil der Iria-Ini Farmers Cooperative Society, die seit den 1950er-Jahren besteht. Der Ansatz ist einfach, aber wirkungsvoll: Jeder bringt ein, was er kann – und profitiert vom Ergebnis. Die Kooperative bietet Schulungen zu nachhaltiger Landwirtschaft, Zugang zu Agrarberatung, Vorfinanzierungen und transparente Rückvergütung. Überschüsse fließen nicht in Exportbüros, sondern zurück in Schulgebühren, medizinische Versorgung und Infrastruktur. In einer Region, in der große Exporteure oft die Preisgestaltung dominieren, bleibt Kiamwangi im Besitz derer, die den Kaffee anbauen.
Varietäten – Bewährte Genetik
Die Kaffees rund um Kiamwangi basieren auf einer klaren genetischen Grundlage. SL28 und SL34 prägen das Profil seit Jahrzehnten. Beide Varietäten wurden in Kenia gezüchtet, um unter lokalen Bedingungen Qualität zu liefern: klare Säuren, Struktur, Süße. Anspruchsvoll im Anbau, präzise in der Tasse. Ergänzt werden sie durch Ruiru 11 und Batian. Beide stehen für Krankheitsresistenz und Ertragssicherheit – mit zunehmend sauberer, stabiler Tassenqualität. Die Lots bestehen aus einer bewussten Mischung dieser Varietäten. Keine Zufälligkeit, sondern Anpassung an Klima, Alter der Pflanzen und Kooperativenstrategie.
Anbau – Kleinparzellen mit Charakter
Die Kirschen, die in Kiamwangi verarbeitet werden, stammen von rund 1.000 Kleinbäuerinnen und -bauern mit durchschnittlich unter einem Hektar Land. Die Pflanzen wachsen auf vulkanischen Böden, durchzogen von Eisen und Mineralien, und unter dem Schatten von Macadamia- und Gravellabäumen. Dünger, Bewässerung, Ernte – alles erfolgt manuell und in Handarbeit. Die selektive Pflückung nach Reifegrad ist ebenso Teil des Alltags wie das gemeinsame Organisieren von Ressourcen: Wissen, Werkzeug, Wasser.
Processing – Kenyan Washing
Die Aufbereitung in Kiamwangi folgt dem klassischen kenianischen Washed-Verfahren, das auf maximale Klarheit und strukturelle Säure ausgelegt ist. Entscheidend ist dabei nicht ein einzelner Schritt, sondern die Abfolge mehrerer gezielt eingesetzter Prozessphasen. Nach der Anlieferung werden die Kirschen visuell sortiert und im Floating-Becken nach Dichte getrennt. Das Pulping erfolgt zeitnah, um enzymatische Aktivität kontrollierbar zu halten. Die anschließende Fermentation über Nacht löst den Großteil der Mucilage, wird jedoch bewusst nicht bis zum vollständigen Abbau geführt.
Charakteristisch für Kenia ist der folgende zweite Wasch- und Soaking-Schritt. Dabei lagert das Pergament erneut in frischem Wasser. Enzymatische Prozesse verlangsamen sich, verbleibende Zuckerreste werden gleichmäßig gelöst, die Säurestruktur wird präziser und linearer. Dieser Schritt trägt maßgeblich zur typischen Klarheit und zur kühlen, spannungsreichen Textur kenianischer Kaffees bei. Nach dem Dichtegrading trocknet der Kaffee langsam auf Raised Beds über zwei bis drei Wochen. Regelmäßiges Wenden sorgt für gleichmäßige Wasserabgabe bis auf etwa 10–12 % Restfeuchte. Das Ergebnis ist ein sehr stabiles Rohkaffeeprofil mit hoher Transparenz, klarer Säuredefinition und langer Haltbarkeit – ein Stil, der Kenia über Jahrzehnte geprägt hat.
Röststil – Light and vibrant
Kenianische Kaffees bringen hohe Bohnendichte und eine ausgeprägt organische Säurestruktur mit. Der Energieeintrag muss präzise kontrolliert werden, um Fruchtvorstufen zu erhalten und Säurespitzen zu halten. Auf dem Loring fahren wir einen konvektionsdominierten, linearen Röstverlauf mit moderater Charge Energy und stabiler RoR. So bleibt die Säure spannungsreich und definiert, ohne zu verhärten. Die Entwicklungsphase ist bewusst kurz. Ziel ist ein sehr heller Endröstgrad mit maximaler Vibranz, klarer Fruchtdefinition und komplexer, strukturierter Säure.
Sensorik – Wie früher
Der Kaffee zeigt ein sehr klares, lineares Profil. Rote Johannisbeere und Zitrus stehen im Vordergrund, ergänzt durch schwarze Teeblätter und eine trockene, strukturierte Textur. Die Säure ist präzise und spannungsreich, der Körper leicht bis mittelkräftig. Der Abgang ist sauber, kühl und lang. Ein Kenianer, wie er früher typisch war: klar, strukturiert und kompromisslos in der Tasse.
Ein Kilo Kaffee kann vieles sein: Getränk, Genuss, Handelsware. In Kiamwangi ist es auch ein Hebel – für Einkommen, für lokale Unabhängigkeit, für Bildung. Wer hier kauft, kauft nicht nur ein Lot, sondern unterstützt eine Form der Landwirtschaft, die auf Teilhabe setzt: auf Wissen statt Abhängigkeit. Und auf die leise Überzeugung, dass gute Strukturen den besseren Geschmack machen.

