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Marysabel & Moises von Finca El Puente in Honduras

Finca EL PUENTE Honduras 2025

Manche Begegnungen verändern alles. Bei uns war es 2016: Als internationale Juroren beim Cup of Excellence in Honduras durften wir die besten Kaffees des Landes bewerten – und lernten Marysabel Caballero und Moisés Herrera kennen. Damals gewannen die beiden mit ihrem Geisha den ersten Platz. Bei der anschließenden Auktion wurde das Lot für 120,50 USD pro Pfund versteigert – rund 265 USD pro Kilo Rohkaffee. Das Gewinnerlot ging nach Japan. Für uns war das der Anfang von etwas viel Größerem: einer echten Freundschaft.

Nach dem Wettbewerb luden uns Marysabel und Moisés zum ersten Mal auf die Finca El Puente ein. Sie öffneten nicht nur die Tore ihrer Farm, sondern auch die Tür zu ihrem Zuhause. Seitdem besuchen wir uns regelmäßig. Heute ist es für uns undenkbar, durch Mittelamerika zu reisen, ohne „wenigstens kurz“ in Marcala vorbeizuschauen. Und wenn die beiden in Europa sind, stehen sie irgendwann bei uns in Hamburg. Wir reisen zusammen, essen und lachen viel – und nehmen uns trotz voller Kalender immer wieder Zeit füreinander. Auch Marysabels und Moisés’ Söhne waren schon bei uns zu Gast: zu Hause und natürlich im elbgold.

Zur Ernte 2025 sind wir wieder vor Ort. Im Jahr zuvor hatten uns Marysabel und Moisés in Hamburg besucht – und von dort sind wir gemeinsam zur World of Coffee nach Kopenhagen gefahren. Als wir dieses Jahr mitten in der Nacht in Marcala ankommen, sehen wir erst am nächsten Morgen, was sich verändert hat: Direkt hinter dem Wohnhaus trocknen die exklusivsten Kaffees von El Puente auf Raised Beds. Was einmal mit 25 Raised Beds begann, ist inzwischen auf 250 gewachsen. Und das ist nicht einfach „mehr“. Das ist vor allem: mehr Kontrolle. Die Kaffees trocknen dort lang, langsam und sorgfältig – unter Netzen. Auf den Beds liegen unter anderem Geisha, Java, Anacafé, Marsellesa und SL28: als Washed-, Natural-, Honey- und anaerob aufbereitete Lots. 

Marysabel ist Kaffeeproduzentin in dritter Generation. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Moisés arbeitet sie an zukunftsfähigen Kaffees in Honduras – mit dem Anspruch, Qualität, ökologische Nachhaltigkeit und die Integration der Community konsequent zusammenzudenken. Schon Marysabels Vater, Don Fabio Caballero, gilt für viele als einer der Pioniere des Specialty Coffees in Honduras. Und auch heute produziert die Familie einige der besten Kaffees, die Honduras zu bieten hat. 

Und auch sonst hat sich viel getan: Die Mill in Chinacla wurde modernisiert – unter anderem, um den Wasserverbrauch zu reduzieren, Prozesse effizienter zu machen und die vollständige Kontrolle über das Dry-Milling bis zur Exportvorbereitung zu haben. Außerdem sind weitere Plots dazugekommen, und es gibt ein neues Cupping Lab. Wir verkosten die neue Ernte im Lab, das erst wenige Tage vor unserem Besuch fertiggestellt wurde. Auf dem Cupping-Tisch stehen unter anderem Java, SL28, Batian, Marsellesa, mehrere Geishas, ein Blend (Geisha/SL28/Catuai) und ein anaerob aufbereiteter Catuai. Spannend ist: Diese Sorten werden nicht irgendwo gepflanzt, wo Platz ist, sondern dort, wo sie unter den jeweiligen Bedingungen am besten performen. Und selbst bei „klassischen“ Sorten wie Catuai wird es hier extrem fein: Wir verkosten zwölf verschiedene Catuais aus unterschiedlichen Plots. Gleicher Name, komplett andere Tassen – weil Plot und Prozess den Charakter verändern. 

Nach dem Cupping fahren wir zu den neuesten Plots von Finca El Puente: Los Arrayanes, La Julia, La Tina und Santiago. Santiago wirkt stellenweise wie Urwald – dicht, wild, lebendig. Jeder Plot erzählt eine andere Geschichte, und jede Entscheidung ist nachvollziehbar: Welche Varietät steht wo? Wie viel Wind kommt durch, wie viel Schatten? Wie ist die Feuchtigkeit, wie reifen die Kirschen? 

El Puente umfasst insgesamt rund 200 Hektar. Auf unterschiedlichen Plots bauen Marysabel und Moisés diverse Varietäten an – darunter Catuai, Java, SL28, Batian und Geisha. Sie suchen für jede Sorte die besten Bedingungen – und für jede zukünftige Bedingung die beste Sorte. El Puente ist keine „Plantage“. Es ist ein lebendiges Ökosystem – Pinien, Schatten, sanfte Hügel, ein kleiner Fluss … und die Brücke, die der Farm ihren Namen gibt. Hier geht es um Präzision und Geduld. Um das richtige Mikroklima für jede Varietät. Und um die Haltung, dass Qualität immer auch Verantwortung bedeutet – für Boden, Pflanzen und Menschen. Moisés denkt Kaffee als Puzzle aus Mikroklima, Varietät, Pflanzdichte, Fermentation und Trocknung. Genau diese Konsequenz ist der Grund, warum die Kaffees so klar und so besonders sind. Bei El Puente geht es nicht nur um „hoch gelegen“, sondern um Details: Wind, Schatten, den Temperaturhub zwischen Tag und Nacht. Moisés sagt ganz klar: Geisha mag keinen Wind. Das klingt simpel, ist aber entscheidend – Wind bedeutet Stress für die Pflanze. Darum gedeiht Geisha bei El Puente am liebsten geschützter, oft auf rund 1.500 Metern. 

Während der Erntezeit, die normalerweise zwischen Januar und März liegt, beschäftigen Marysabel und Moisés viele einheimische Mitarbeiter:innen, die in den Bergen in der Nähe ihrer Plots leben. Sie helfen beim Pflücken, auf der Washing Station und beim Export. Und nach der Ernte ist vor der Ernte: Ökologischer Dünger wird ausgebracht, Bäume müssen beschnitten und neu gepflanzt werden. Auch der Verzicht auf Herbizide bringt viel Arbeit mit sich. Durch manuelle Unkrautbekämpfung bleibt die natürliche Qualität des Bodens erhalten – und zugleich ist sichergestellt, dass die Mitarbeiter:innen das ganze Jahr über Arbeit haben. 

Auch beim Processing wird die Konsequenz spürbar. Reife Kirschen werden von örtlichen Erntehelfer:innen von Hand gepflückt – es gibt einen Bonus für besonders reife Kirschen. Noch am selben Tag werden die Kaffeekirschen gepulpt und die Pektinschicht mechanisch entfernt. Danach fermentiert der Kaffee über Nacht, bevor verbliebene Pektine in einem Waschkanal mit sauberem Wasser abgewaschen werden. Dabei werden zugleich Floater und unentwickelte Bohnen von den dichteren, reifen Kaffees getrennt. 

Getrocknet wird auf zwei Wegen: Lots in kleinen Mengen werden langsam auf Drying Beds unter Schattennetzen im Garten getrocknet. Hinter dem Haus in Marcala ist das Klima besonders trocken. Der Kaffee wird tagsüber regelmäßig bewegt, um eine gleichmäßige Trocknung zu gewährleisten, und nachts abgedeckt, um Kondensation zu verhindern und zu vermeiden, dass der Kaffee beim Trocknen wieder Feuchtigkeit aufnimmt. Sobald ein Lot getrocknet ist, wird es luftdicht gelagert. Lots mit größerem Volumen werden auf der Washing Station mechanisch getrocknet. Im Vergleich zur Trocknung auf Patios kann so eine unkontrollierte Fermentation vermieden werden, äußere Einflüsse spielen kaum eine Rolle, und Temperatur sowie Trocknungsdauer lassen sich genau kontrollieren und protokollieren – für konstant hohe Qualität von Jahr zu Jahr.

Egal, wie der Kaffee getrocknet wurde: Im letzten Schritt werden die Pergaminos in der Dry Mill geschält und für den Export vorbereitet – zuerst in GrainPro-Bags, dann in Jutesäcke gefüllt und schließlich exportfertig gemacht. Auch in diesem Jahr holen wir wieder einen Container mit spannenden Kaffees von Finca El Puente nach Hamburg. 

Wenn wir an Honduras denken, denken wir nicht zuerst an „Origin Trip“. Wir denken an Marysabel und Moisés. An Marcala. An diese Mischung aus Herzlichkeit, Humor und kompromissloser Genauigkeit, die El Puente so besonders macht. Dieser Ort erinnert uns daran, worum es wirklich geht: um Beziehung. Um Vertrauen. Um den langen Weg von der Kaffeekirsche bis in die Tasse – und um Menschen, die diesen Weg mit Hingabe gehen. Wir freuen uns schon riesig, Marysabel und Moisés auch im nächsten Jahr wieder zu besuchen: auf die neue Ernte, das erste Cupping am Morgen – und auf Kaffees, die nicht nur nach Kakao, Nektarine und Honig schmecken, sondern nach El Puente: nach Herz, Haltung und Präzision. 

Blogpost by Annika 

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